Grafik: Christine Aebi

Kinder werden heute – ob wir es wollen oder nicht – via TV, Internet, Plakate, Zeitungen, etc. schon sehr früh mit Bildern der erwachsenen Sexualität konfrontiert. Dem steht eine nach wie vor existierende, seltsam verklärte Vorstellung vom „unschuldigen Kind“ gegenüber, das es tunlichst zu beschützen gilt. Zudem bemerken wir – trotz aller Auf- und Abgeklärtheit in unserer westlichen Gesellschaft – eine hartnäckige Tabuisierung von Sexualität, die sich nur langsam hin zu einem unaufgeregten und selbstverständlichen Umgang mit der „natürlichsten Sache der Welt“ verändert. Deutlich wurden diese beiden Tendenzen zuletzt auch in der Schweiz bei der Kampagne gegen den Aufklärungsunterricht in der Grundschule (2015).

 

In diesem Zwiespalt wachsen aber unsere Kinder auf: Überforderung durch sexualisierte und oft auch pornografische Bilder vs. Recht auf Schutz und individuelle Entwicklung sowie Entdecken der eigenen Bedürfnisse, Sprache und Sexualität. Das Stück „DAS machen & andere verdächtige Sachen“ setzt an dieser Ausgangslage an. Es will Sexualität aus der Tabuzone befreien und Kinder dort abholen, wo sie stehen.

D.h. die Kinder und ihr Dilemma werden ernst genommen und wir machen ihnen mit dem Theaterprojekt das Angebot eines ehrlichen, lustvollen, stärkenden Zuganges zu den Themen Sexualität, Intimität, Körper, Begehren, Wörter, Identitäten und vielem anderem mehr, den es unseres Wissens so bisher (noch) nicht gibt.

 

Unser Publikum soll weder überfordert noch in seiner natürlichen Neugierde missachtet werden. Deshalb bleibt die Erzählperspektive im Stück - genauso wie im Buch - auch immer die Perspektive der Kinder resp. die kindliche Erfahrungswelt. Sie beinhaltet, wie Kinder kombinieren, welche Fragen sie haben, was sie eklig/lustig/aufregend/beschämend etc. finden, was sie interessiert, und was ihnen Selbstvertrauen gibt. Bei „DAS machen & andere verdächtige Sachen“ handelt es sich also nicht im eigentlichen Sinne um ein Aufklärungsstück, sondern um eine durch die Mittel des Objekttheaters äusserst spielerische und lustvolle Annäherung an die Erlebniswelt und die Fragen der Kinder. Wenn sie sich nach dem Theaterbesuch trauen, mit ihren Eltern oder Bezugspersonen über „DAS“ zu reden, und wenn es den Erwachsenen weniger peinlich ist, Kindern die vorhandenen Fragen zu beantworten, dann haben wir unser Ziel erreicht.

 

"Sexualität ist wie eine Sprache, nur mit dem Körper. Es braucht einige Zeit, bis Menschen einander verstehen." (aus: DAS machen? Bilderbuch)