DAS machen und andere verdächtige Sachen

KURIER (19.02.2019)

 


Samen- trifft Eizelle und anderes rund um S.E.X.

Aufbauend auf dem preisgekrönten Bilderbuch „DAS machen“ ist ein herrlich unverkrampftes Stück im Dschungel Wien zu erleben.

 

von Heinz Wagner

Zwei kleine Lichtquellen und leise Stimmen steuern auf den in der Mitte der Bühne stehenden Zeichentisch zu. Auf ihrem Weg beginnen sie – mit davor gespanntem durchscheinendem Papier zu einem kleinen Schattentheater zu werden. Eine Samen-, auf der einen sowie eine Ei-Zelle auf der anderen Seite. Sie treffen aufeinander, erst distanziert per Sie, bis sie sich im Du vereinigen und später Zellteilungen einsetzen. Da sind sie schon über dem Zeichentisch. Mit wenigen Handgriffen formen die Puppen- und Schauspieler_innen Peri und Josh (Priska Praxmarer und Julius Griesenberg) aus großen auf dem Zeichentisch liegenden Seidenpapier-Bögen ein Baby. Das sollte auf eine Doppelseite des Bilderbuches, an dem die beiden arbeiten.

Mehr als ein Stück zum Buch

So beginnt das einstündige Stück „DAS machen & andere verdächtige Sachen“. Dieses Gastspiel aus der Schweiz, derzeit im Dschungel Wien zu sehen, baut auf dem Bilderbuch von Lilly Axster und Christine Aebi auf. Ist aber weit mehr als lediglich eine Dramatisierung des Buches, ja es greift sogar zu dem dramaturgischen Kniff, die beiden Spieler_innen würden an einem Bilderbuch arbeiten. Mitten in der Arbeit kriegen sie vom Verlag eine Kürzung von Seiten und Figuren vorgeschrieben, kämpfen damit und miteinander... (Regie: Antonia Brix, Dramaturgie: Brigitta Soraperra).

Figuren werden lebendig

Das Spiel-Duo erweckt sowohl die gebauten Figuren (Christine Aebi), ob die des Kindes Sascha (Alexandra/Alexander), der Kaulquappe, des Teddys und der Biene als auch die gekauften (Schildkröten) glaubhaft zum Leben und switcht gekonnt zwischen dem Figuren- und dem Schauspiel als Buch-Macher_innen.

War schon das Bilderbuch eine herrlich unverkrampfte, entspannte Annäherung an – leider noch immer oftmals – tabuisierte Themen rund um Aufklärung, eben verschämt „DAS machen“ genannt, so ist es das Stück auch in der Live-Performance, immer wieder auch mit humorvollen Passagen. Von Regel und Binden, Samenerguss und Orgasmus bis zur Vielfalt der Menschen und ihrer unterschiedlichen (Vor-)Lieben spannt sich der Bogen angesprochener Elemente.

Übrigens: Noch immer erregen – wie die mit Jugendlichen vollbesetzte Vormittagsvorstellung vor der offiziellen Premiere zeigte – Bilder zweier Teddybären, die einander in unterschiedlichen Stellungen höchstes „Oooooh!“. Würden die beiden aufeinander einschlagen, würde das wohl weit weniger Aufmerksamkeit und Erstaunen hervorrufen.


Irrungen & Wirrungen

 

TagesAnzeiger 16. 6. 2015

von Alexandra Kedves

"Mit Fantasie und tragbarer Musik skizziert der Komödiant erst ein ver-
schwenderisches Hochzeitsfest in die Natur und holt dann seine Puppen zum
Liebesdrama auf die Bühne aus Tannennadeln und Wurzelstöcken.

Helena liebt Demetrius, der Hermia liebt, die Lysander liebt:

Griesenberg spielt das klassische Ringelreihen der Gefühle mit kind-
licher Verve. Seine Paare flüchten in den Wald, wir stolpern hinterher; er schlägt
sich ins Gebüsch, wir erschlagen Mücken. Sinnlicher hätte sich selbst Shakes-
peare sein Theater kaum wünschen können"

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